Schrittzähler-App ohne Registrierung und ohne Werbung: Was du vor der Installation prüfen solltest
Ein Schrittzähler braucht deine Schritte, nicht deine E-Mail. Bevor du einen installierst, schau im App Store in den Bereich „App-Datenschutz“ und bei Google Play in den Abschnitt „Datensicherheit“. Nach der Installation erlaubst du nur die Daten, die die App wirklich braucht.
10 Min. Lesezeit
Schritte zählen ist eine einfache Aufgabe. Trotzdem gibt es Apps, die ein Konto wollen, Werbung zeigen oder Daten darüber verschicken, wie du sie nutzt. Viele davon erkennst du schon vor dem Download. Drei Prüfungen reichen:
- Das Label im Store. Nutzt die App Daten zum Tracking über Apps hinweg? Enthält sie Werbung?
- Berechtigungen. Zum Schrittezählen reichen Schritte. Eine App, die auch Puls, Schlaf oder Standort will, sollte dafür einen guten Grund haben.
- Konto. Wenn die App es für nichts braucht, sollte sie es nicht verlangen. Ohne Konto solltest du aber wissen, wie das Backup funktioniert.
Warum Schritte sensibler sind, als sie aussehen
Die Zahl „8.000 Schritte“ wirkt harmlos. Eine Aufzeichnung deiner Bewegung über Stunden und Tage kann aber deinen Tagesablauf verraten – und wenn der Standort dazukommt, auch die Orte, an die du gehst.
Apple und Google ordnen Daten zu Bewegung und Training in ihren Datenschutz-Labels der Kategorie Gesundheit und Fitness zu. Die DSGVO zählt Daten über die körperliche und geistige Gesundheit zu den besonderen Kategorien personenbezogener Daten, die nur ausnahmsweise verarbeitet werden dürfen, zum Beispiel mit ausdrücklicher Einwilligung (Art. 4 Nr. 15 und Art. 9).
Auch das Entfernen von Namen reicht nicht unbedingt.
In der Studie von Na u. a. (2018) konnte ein Machine-Learning-Algorithmus „anonymisierte“ Bewegungsdaten bei 94,9 % von 4.720 Erwachsenen der richtigen Person zuordnen. Er arbeitete mit Beschleunigungsmesser-Daten, die in 20-Minuten-Blöcken zusammengefasst waren, und mit demografischen Angaben aus der US-Gesundheitserhebung NHANES 2003–2004.
Was der App Store zeigt
Auf der Seite jeder App findest du den Bereich App-Datenschutz. Laut Apple können dort diese Gruppen stehen:
- Daten, die zum Tracking deiner Person verwendet werden – Daten, die mit Daten aus Apps und Websites anderer Unternehmen für Werbung verknüpft oder an Datenhändler weitergegeben werden. Bei einem Schrittzähler ist es ideal, wenn diese Gruppe fehlt.
- Mit dir verknüpfte Daten – Daten, die mit deiner Identität verbunden sind, etwa mit einem Account, einem Gerät oder einer Telefonnummer.
- Nicht mit dir verknüpfte Daten – das Entwicklungsteam muss vor dem Senden direkte Kennungen entfernen und darf die Daten nicht nachträglich wieder verknüpfen.
- Keine Daten erfasst – das Entwicklungsteam gibt an, dass es aus der App keine Daten erfasst.
In der Detailansicht steht bei den Daten auch der Zweck. „Drittanbieter-Werbung“ bedeutet, dass die App die Daten nutzt, um fremde Werbung anzuzeigen, oder sie mit denen teilt, die Werbung ausspielen.
Beim Lesen des Labels hilft es, drei Dinge zu wissen:
- Es wird vom Entwicklungsteam selbst ausgefüllt. Der App Store weist ausdrücklich darauf hin, dass Apple diese Informationen nicht verifiziert hat.
- Daten, die nur Apple erfasst, müssen nicht drinstehen, zum Beispiel Zahlungsinformationen für In-App-Käufe.
- Als „erfasst“ gelten nur Daten, die das Handy verlassen und auf die das Entwicklungsteam länger zugreifen kann, als zur Bearbeitung einer Anfrage nötig ist. Eine App, die Schritte nur auf dem Handy verarbeitet, muss sie nicht angeben – und das ist in Ordnung.
Was Google Play zeigt
Bei Google Play suchst du den Abschnitt Datensicherheit und darunter Details ansehen. Dort beschreiben die Entwickler, welche Daten die App erhebt, ob sie sie an Dritte weitergibt und wofür.
Daten zu Bewegung und Training fallen unter den Datentyp „Fitnessdaten“. Aufmerksamkeit verdient auch „Geräte- oder andere IDs“ – dazu gehört zum Beispiel die Werbe-ID.
Werbung verrät das Label Enthält Werbung auf der Seite der App. Entwickler müssen Werbung angeben; über Angebote für In-App-Käufe oder kostenpflichtige Versionen sagt das Label aber nichts.
Auch hier gilt: Die Angaben macht das Entwicklungsteam. Google schreibt, dass allein die Entwickler für Vollständigkeit und Richtigkeit verantwortlich sind und dass Googles Überprüfung nicht dazu gedacht ist, die Richtigkeit zu prüfen. Als „weitergegeben“ zählen außerdem keine Daten, die an einen Dienstleister gehen, der sie im Auftrag der Entwickler verarbeitet, zum Beispiel ans Hosting.
| App Store | Google Play | |
|---|---|---|
| Wo du es findest | App-Datenschutz | Datensicherheit → Details ansehen |
| Worauf du achtest | Gruppe „Daten, die zum Tracking deiner Person verwendet werden“ | Weitergabe von Daten, „Geräte- oder andere IDs“ |
| Werbung | Zweck „Drittanbieter-Werbung“ | Label „Enthält Werbung“ |
| Wer die Angaben macht | Entwicklungsteam, Apple verifiziert sie nicht | Entwicklungsteam, Google prüft sie nicht auf Richtigkeit |
Nach der Installation: Berechtigungen in Apple Health und Health Connect
Eine App, die Schritte aus Apple Health oder Health Connect liest, muss um Zugriff bitten. Du entscheidest für jeden Datentyp einzeln, und die Zustimmung lässt sich jederzeit zurückziehen.
Ein Schrittzähler braucht Schritte, eventuell noch Trainings. Will er mehr, darfst du ruhig fragen, wozu.
iPhone. Apple verlangt von Apps, Lese- und Schreibzugriff für jeden Datentyp einzeln anzufragen. Außerdem erfährt eine App nicht, ob ihr der Lesezugriff verweigert wurde – sie bekommt dann einfach keine Daten aus anderen Quellen. Ändern kannst du das in der App „Health“: „Übersicht“ → dein Bild oder deine Initialen → unter „Datenschutz“ auf „Apps“ → App auswählen und einzelne Berechtigungen aus- oder einschalten.
Android. Unter Android 14 und neuer steckt Health Connect in den Einstellungen unter „Sicherheit & Datenschutz“ → „Datenschutz“ → „Health Connect“; auf älteren Versionen installierst du es aus dem Play Store. Unter „Berechtigungen und Daten“ → „App-Berechtigungen“ wählst du die App aus und schaltest für einzelne Datentypen Lese- und Schreibzugriff aus. Laut Google werden die Daten lokal auf dem Gerät gespeichert, und eine neu verbundene App sieht nach der Freigabe die Daten der letzten 30 Tage plus alles Neue. Achtung: Wenn du Berechtigungen entziehst, werden bereits gespeicherte Daten nicht gelöscht.
Die Bezeichnungen können je nach Systemversion und Hersteller abweichen. Eine ausführliche Anleitung steht im Artikel Health Connect: Was es ist und wie du es einrichtest.
Was „ohne Registrierung“ bedeutet – und was nicht
Ohne Konto hat die App weder deine E-Mail noch ein Passwort – und kann beides bei einem Datenleck auch nicht verlieren. Das hat aber drei Folgen, mit denen du rechnen solltest:
- Ohne Konto heißt nicht ohne Datenerhebung. Eine App kann auch ohne Anmeldung eine Gerätekennung oder Nutzungsstatistiken senden. Entscheidend ist das Label im Store, nicht das Fehlen einer Registrierung.
- Das Backup muss anders funktionieren. Wenn es nichts zum Anmelden gibt, kann ein verlorenes Handy oder eine Neuinstallation den Verlauf in der App löschen. Finde heraus, ob die App ein Backup anbietet und was du zur Wiederherstellung brauchst. Auf dem iPhone werden die Daten der App „Health“ laut Apple verschlüsselt in iCloud gesichert, wenn das Handy mit einem Apple Account angemeldet und die Synchronisierung von Health eingeschaltet ist. Das Risiko betrifft also vor allem den Verlauf in der App selbst.
- Daten löschen. Der Support kann dich nicht über deine E-Mail finden. Google Play verlangt bei Apps, die ein Konto anbieten, ausdrücklich das Löschen in der App und über einen Weblink. Bei Apps ohne Konto rät Google, in der Datenschutzerklärung nach dem Vorgehen zu suchen oder das Entwicklungsteam zu kontaktieren – ein Blick dorthin lohnt sich schon vorher.
So macht es Tada!
Tada! zählt aktive Tage und ist genau so gebaut: ohne Konto und ohne E-Mail. Aus Apple Health oder Health Connect liest die App nur Schritte und Trainingsminuten, und weder Schritte noch Trainings noch der Standort verlassen jemals das Handy.
Ein Eintrag auf dem Server entsteht erst mit einer gemeinsamen Serie oder einem Backup. Darin stehen vor allem Spitzname, Farbe, Länge der Serie, Rekord und der Stand des heutigen Tages, dazu eine zufällige ID-Nummer, Sprache, Zeitzone, Plattform des Handys und ein Schlüssel für die Zustellung von Benachrichtigungen; mit Backup zusätzlich eine Übersicht der geschafften Tage (was der Server über dich weiß).
Tada! hat weder Werbung noch Analyse-Tools von Drittanbietern. Laut Datenschutzerklärung sendet die App außerdem nur anonyme Zähler ohne Kennung, die sich abschalten lassen, und technische Absturzberichte.
Das Backup ist freiwillig. Du schaltest es unter Mehr → Profil ein (die App bietet es auch beim Meilenstein 30 Tage an) und bekommst dabei einen Wiederherstellungscode, der nur einmal angezeigt wird.
Auf einem neuen Handy wählst du beim ersten Start „Ich habe einen Wiederherstellungscode“, und Serie, Rekord und die Übersicht der geschafften Tage kommen zurück. Ohne Code geht die Wiederherstellung nicht, und einen verlorenen Code kann auch der Support nicht wiederherstellen (Wiederherstellung nach Verlust des Handys). Das ist der Preis dafür, dass dich niemand über eine E-Mail kennt.
Was Tada! nicht macht: Die App misst selbst nichts, sie liest nur, was Handy oder Uhr in Health oder Health Connect eintragen. Und sie schickt deinem Buddy nicht deine Zahlen, sondern nur, ob du den heutigen Tag geschafft hast.
Wer genaue Schritte teilen will, findet einen Vergleich im Artikel Schrittzähler-App zu zweit. Und wer auf dem iPhone nur eine Zahl sehen will, braucht keine weitere App – die Schritte misst das iPhone selbst, und die App „Health“ zeigt sie an.
Schritte, die auf dem Handy bleiben Tada! will weder Konto noch E-Mail, zeigt keine Werbung und schickt nie Schritte, Trainings oder Standort an den Server. Die App achtet nur darauf, ob heute ein aktiver Tag war. Für iPhone herunterladen
Häufige Fragen
Ist eine App ohne Registrierung automatisch anonym?
Nein. Eine App kann weiterhin eine Gerätekennung oder Nutzungsstatistiken senden; „ohne Registrierung“ heißt nur, dass die Daten nicht an deine E-Mail gebunden sind. Was eine App tatsächlich sendet, verraten das Label im Store und die Datenschutzerklärung.
Kann ich einer App den Zugriff auf meine Schritte wieder entziehen?
Ja, jederzeit – auf dem iPhone in der App „Health“, auf Android in Health Connect. Auf Android löschst du damit aber nicht die Daten, die schon in Health Connect gespeichert sind; die werden separat gelöscht.
Quellen
- Apple (2026). Datenschutzinformationen im App Store und Optionen zur Datenregulierung. Apple Support. Link
- Apple (2026). App privacy details on the App Store. Apple Developer. Link
- Google (2026). Der Google Play-Abschnitt zur Datensicherheit: Wissenswertes zum Datenschutz und zu Sicherheitsmaßnahmen in Apps. Google Play-Hilfe. Link
- Google (2026). Informationen für den Abschnitt zur Datensicherheit von Google Play angeben. Play Console-Hilfe. Link
- Google (2026). App zur Überprüfung vorbereiten (Angabe von Werbung). Play Console-Hilfe. Link
- Apple (2026). Authorizing access to health data. Apple Developer Documentation. Link
- Apple (2026). Daten in der App „Health“ auf dem iPhone teilen. iPhone – Benutzerhandbuch. Link
- Apple (2026). Backup deiner Gesundheitsdaten in iCloud auf dem iPhone erstellen. iPhone – Benutzerhandbuch. Link
- Apple (2026). Einführung zu Gesundheitsdaten auf dem iPhone. iPhone – Benutzerhandbuch. Link
- Google (2026). Erste Schritte mit Health Connect. Android-Hilfe. Link
- Google (2026). Verbundene Apps in Health Connect verwalten. Android-Hilfe. Link
- Europäisches Parlament und Rat der EU (2016). Verordnung (EU) 2016/679 (Datenschutz-Grundverordnung), Art. 4 Nr. 15 und Art. 9. EUR-Lex. Link
- Na, L., Yang, C., Lo, C. C., Zhao, F., Fukuoka, Y., Aswani, A. (2018). Feasibility of Reidentifying Individuals in Large National Physical Activity Data Sets From Which Protected Health Information Has Been Removed With Use of Machine Learning. JAMA Network Open, 1(8), e186040. Link
- Tada! (2026). Was der Server über mich weiß. Tada! Hilfe. Link
- Tada! (2026). Wiederherstellung nach Verlust des Handys. Tada! Hilfe. Link
- Tada! (2026). Warum Tada! Zugriff auf Gesundheitsdaten braucht. Tada! Hilfe. Link
- Tada! (2026). Datenschutzerklärung. Link
Titelbild: Kirill Fokin / Unsplash